Zwischen „verlorenen Orten“, Neuanfängen und Erinnerungskultur
Der Braunkohlenbergbau hat die Landschaft rund um Borna tiefgreifend verändert – und mit ihr das Leben tausender Menschen. Ganze Dörfer verschwanden von der Landkarte, Kirchen und Gutshöfe wurden umgesetzt oder gingen verloren, und viele Familien mussten ihre Heimat verlassen. Seit den 1930er Jahren wurden im Bornaer Umfeld unzählige Orte ganz oder teilweise abgebaggert. Zehntausende Menschen waren davon betroffen.
Der Geograph und Regionalhistoriker Andreas Berkner nimmt Sie in seinem Vortrag mit auf eine Spurensuche durch diese bewegte Geschichte. Er spannt einen Bogen von den frühen Umsiedlungen der 1930er Jahre über Borna als „aufnehmende Stadt“ für viele Betroffene bis hin zu den vielfältigen Spuren der verlorenen Orte im heutigen Stadtbild.
Anhand eindrucksvoller Beispiele zeigt der Referent, wo die Vergangenheit noch sichtbar ist: in versetzten Kirchen, geretteten Gebäudeteilen, Gedenksteinen und Straßennamen, die an Orte erinnern, die einst nur wenige Kilometer entfernt lagen; etwa an Witznitz, Blumroda oder Bockwitz. Auch scheinbar unscheinbare Details im Alltag erzählen von dieser Geschichte.
Gleichzeitig richtet der Vortrag den Blick in die Gegenwart. Mit dem absehbaren Ende der Kohleverstromung bietet sich erstmals die Möglichkeit, eine abschließende Bilanz der bergbaubedingten Umsiedlungen in der Region zu ziehen. Was bleibt von den verlorenen Dörfern? Welche Erinnerungsorte sind entstanden? Und wie gehen wir heute mit diesem Teil unserer regionalen Geschichte um?
Der Vortrag lädt dazu ein, bekannte und verborgene Spuren der Kohlelandschaft neu zu entdecken, Erinnerungen zu teilen und über den Umgang mit diesem prägenden Kapitel der mitteldeutschen Geschichte ins Gespräch zu kommen.
Vortrag von Prof. Dr. Andreas Berkner
Wann: 15. April 2026
Wo: Emmauskirche, Kirchplatz, 04552 Borna
Beginn: 18:00 Uhr
Eintritt: 5,00 €, Ermäßigt: 3,00 € (Rentner, Studenten, Vereinsmitglieder)




